Brandenburg an der Havel ist eine Stadt mit einer einzigartigen Geschichte, wertvollen Baudenkmälern und hoher Lebensqualität. Doch der Zustand zahlreicher Straßen passt längst nicht mehr zu diesem Anspruch. Schlaglöcher, Risse, beschädigte Fahrbahndecken und jahrelang aufgeschobene Grundsanierungen prägen in vielen Bereichen das Stadtbild.
Die Menschen in unserer historischen Stadt haben bessere Straßen verdient. Eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur ist kein Luxus. Sie ist eine Grundvoraussetzung für Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung, Mobilität und Lebensqualität.
Besonders deutlich wird das Problem an der Otto-Sidow-Straße. Die Stadt selbst bezeichnete Teile dieser wichtigen Verkehrsachse Anfang 2026 als „völlig desolat“. Besonders betroffen ist der Bereich an der Kreuzung zur Wilhelmsdorfer Straße. Wegen der Straßenschäden gilt dort bereits seit längerer Zeit Tempo 30. Dabei wird dieser Abschnitt der B 1 und B 102 täglich von rund 32.000 Fahrzeugen genutzt. Ein weiteres Warten auf einen irgendwann geplanten grundhaften Ausbau ist angesichts dieser Belastung nicht mehr vertretbar. (stadt-brandenburg.de)Auch in der Uferstraße wurden so erhebliche Schäden festgestellt, dass sich die beschädigten Bereiche teilweise über beide Fahrtrichtungen erstrecken. Die vorhandene Fahrbahndecke muss an den betroffenen Stellen abgefräst und durch eine neue Gussasphaltdecke ersetzt werden. Dass solche Arbeiten notwendig sind, zeigt, wie lange der Verschleiß bereits fortgeschritten ist. Auch im Bereich Am Seegarten in Kirchmöser sind Straßenunterhaltungsmaßnahmen erforderlich. (stadt-brandenburg.de)
In Butterlake sind der Schafdamm und der Schlangenpfad fast nicht mehr befahrbar.
Weitere Bauprojekte zeigen den großen Investitionsbedarf: Der Rietzer Weg soll zwischen Prötzelweg und Großmathenweg verkehrsgerecht neu gebaut werden. Im Rüsternweg und Eibenweg wird die Fahrbahn nach den Leitungsarbeiten in Asphaltbauweise wiederhergestellt. Diese Maßnahmen sind notwendig, dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt ein grundsätzliches und über Jahre gewachsenes Sanierungsproblem hat. (stadt-brandenburg.de)
Besonders alarmierend ist zudem eine landesweite Zustandsauswertung auf Grundlage von Daten aus dem Jahr 2023: Danach sollen rund 84 Prozent der Landesstraßen im Gebiet Brandenburg an der Havel als sehr schlecht eingestuft worden sein. Auch wenn neue Erhebungen folgen müssen, verdeutlicht diese Größenordnung den gewaltigen Handlungsbedarf. (DIE WELT)
Wir brauchen einen verbindlichen Sanierungsplan
Es reicht nicht aus, Schlaglöcher jedes Frühjahr nur provisorisch mit Kaltasphalt zu schließen. Solche Notreparaturen können akute Gefahren beseitigen, lösen das eigentliche Problem jedoch nicht. Ältere und strukturell beschädigte Straßen müssen dauerhaft erneuert werden.
Deshalb braucht Brandenburg an der Havel:
Erstens: ein öffentliches Straßenkataster.
Der Zustand aller kommunalen Straßen sollte regelmäßig nach einheitlichen Kriterien bewertet und veröffentlicht werden. Die Bürger müssen nachvollziehen können, welche Straßen wann saniert werden und nach welchen Kriterien die Prioritäten festgelegt werden.
Zweitens: ein mehrjähriges Sanierungsprogramm mit gesicherter Finanzierung.
Statt jedes Jahr nur auf die schlimmsten Schäden zu reagieren, müssen für mindestens fünf bis zehn Jahre verbindliche Investitionsziele festgelegt werden. Hauptverkehrsstraßen, Schulwege, Zufahrten zu Krankenhäusern, Gewerbegebieten und Ortsteilen müssen zuerst berücksichtigt werden.
Drittens: dauerhafte Sanierung statt kostspieliger Flickschusterei.
Wo der Unterbau beschädigt ist, genügt eine neue dünne Asphaltdecke nicht. Dort müssen Entwässerung, Frostschutzschicht, Tragschicht und Fahrbahndecke gemeinsam erneuert werden. Andernfalls entstehen nach wenigen Wintern erneut Risse und Schlaglöcher.
Viertens: bessere Koordination aller Bauarbeiten.
Straßen sollten nicht saniert und kurze Zeit später für Wasser-, Abwasser-, Strom- oder Glasfaserleitungen erneut aufgerissen werden. Stadt, BRAWAG, Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen müssen ihre Maßnahmen langfristig gemeinsam planen.
Fünftens: mehr Verantwortung von Land und Bund.
Bei Bundes- und Landesstraßen wie der Otto-Sidow-Straße darf die Stadt nicht jahrelang auf Entscheidungen anderer Behörden warten. Der Landesbetrieb Straßenwesen muss für stark belastete und gefährliche Abschnitte verbindliche Termine und ausreichende Mittel bereitstellen.
Brandenburg an der Havel darf nicht nur mit seiner Geschichte und seinen Sehenswürdigkeiten werben. Auch die alltägliche Infrastruktur muss dem Anspruch einer lebenswerten und wirtschaftlich starken Stadt entsprechen.
Die Bürgerinnen und Bürger zahlen Steuern und Abgaben. Dafür dürfen sie sichere, belastbare und gepflegte Straßen erwarten. Unsere historische Stadt und ihre Menschen haben keine notdürftig geflickten Fahrbahnen verdient – sie haben eine moderne und verlässliche Infrastruktur verdient.



